21.10.2026 – P R E S S E B E R I C H T – Christian Licha
Im Mehrgenerationenhaus (MGH) Haßfurt kommen einmal im Monat Menschen mit und ohne Behinderung zu einem gemeinsamen Frühstück zusammen, bei dem Schülerinnen und Schüler ganz selbstverständlich mit anpacken. Für das Projekt „Frühstück all inclusive“ wurden das MGH des BRK-Kreisverbandes Haßberge und die Paul-Moor-Schule am Dienstag mit dem Unterfränkischen Inklusionspreis 2026 in der Kategorie „Arbeit“ ausgezeichnet.
Bezirkstagsvizepräsident Thomas Schiebel überreichte die Urkunden und Medaillen an MGH-Leiterin Gudrun Greger und Alexandra Krines-Beßler, Rektorin der Paul-Moor-Schule. Der Preis ist für beide Projektpartner gemeinsam mit 2500 Euro dotiert. Schiebel bezeichnete das Frühstücksangebot als Musterbeispiel gelungener Inklusion. Die Politik könne zwar die Rahmenbedingungen schaffen, doch gelebt werden müsse Inklusion von der Gesellschaft. Sie sei keine „milde Gabe“, sondern eine gemeinsame Aufgabe.
Die Jugendlichen gestalten das Frühstück mit
Rund ein halbes Dutzend Schülerinnen und Schüler der Paul-Moor-Schule helfen einmal im Monat beim „Frühstück all inclusive“ mit. Im Café-Bistro „Offener Treff“ im Erdgeschoss des MGH am Marktplatz helfen sie bei den Vorbereitungen und bedienen die Gäste. Dabei kommen sie mit ihnen ins Gespräch und übernehmen verschiedene Aufgaben.
Bei der Preisverleihung stellten die Jugendlichen gemeinsam mit ihrem Lehrer Thomas Lilge das Projekt vor. Die Paul-Moor-Schule ist ein Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung in Trägerschaft der Lebenshilfe Haßberge. Wie Lilge erläuterte, können die Schülerinnen und Schüler am Praxistag zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen wählen. Dazu gehören unter anderem eine Werkstattgruppe, eine Gartengruppe und eine Gruppe für Reinigungsarbeiten. Eine weitere Möglichkeit ist die soziale Gruppe, die auch beim Frühstück im MGH mitwirkt.
Was die Jugendlichen dort alles übernehmen, schilderte eine Schülerin. Sie berichtete unter anderem vom Obstschneiden, Beerenwaschen, der Zubereitung weiterer Speisen und vom Abräumen. An den anderen Praxistagen stehen weitere soziale Aktivitäten auf dem Programm. So erzählte ein Schüler, dass sie Bewohner im Wohnheim der Lebenshilfe in Sylbach besuchen, mit ihnen spielen oder gemeinsam spazieren gehen.
MGH-Projektmitarbeiterin Katharina Körlin erklärte, dass das Frühstück nicht nur praktische Fähigkeiten vermittle. Es stärke auch das Selbstvertrauen, die Selbstständigkeit und die sozialen Kompetenzen der Jugendlichen. Zugleich entstünden Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung, bei denen Berührungsängste abgebaut werden könnten.
Inklusion beginnt im täglichen Miteinander
Landrat Michael Ziegler betonte, dass Inklusion oft ein großer, beinahe abstrakter Begriff sei, über den viel diskutiert werde. Das „Frühstück all inclusive“ zeige dagegen auf vorbildliche Weise, wie Inklusion im Alltag gelingen könne. Hier werde sie nicht nur theoretisch gedacht, sondern gemeinsam gelebt. Bürgermeister Michael Schlegelmilch erinnerte daran, dass Inklusion weit mehr sei als ein barrierefreier Zugang zu Gebäuden. „Barrierefreiheit beginnt auch im Kopf“, sagte er. Entscheidend sei, dass Menschen sich willkommen und ernst genommen fühlten.
Für die musikalische Umrahmung der Preisverleihung sorgte Pianistin Petra Schlosser. Anschließend waren die Gäste selbst zum Frühstück eingeladen. Die Schülerinnen und Schüler übernahmen wie bei den monatlichen Treffen den Service, brachten Getränke und Obst an die Tische und kümmerten sich um die Gäste.
Alle Fotos: Christian Licha






