Einsam im Alter? In Haßfurt muss das nicht sein

Haß­fur­ter Tag­blatt – 21.03.2019 – Sabi­ne Meiß­ner

Ein­sam­keit im Alter muss nicht sein: Ein­mal mehr hat das Mehr­ge­nera­tio­nen­haus (MGH) in Haß­furt eine hohe Aus­zeich­nung erhal­ten. Das MGH hat­te sich mit einem gan­zen Bün­del von Maß­nah­men für Senio­ren beim Wett­be­werb „Ein­sam? Zwei­sam? Gemein­sam!“ des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums und der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Senio­ren-Orga­ni­sa­tio­nen (BAGSO) bewor­ben und am Mon­tag in Ber­lin den Zwei­ten Preis in der Kate­go­rie der Mehr­ge­nera­tio­nen­häu­ser erhal­ten.

Einsam im Alter? In Haßfurt muss das nicht sein- Preisverleihung an das Mehrgenerationenhaus Haßfurt (2. Platz) - Foto: Kathrin Harms © 2019 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Foto: Kath­rin Harms. © 2019 Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend

Solidarisch Geben und Nehmen

Durch gene­ra­tions­über­grei­fen­de und pro­fes­sio­nell beglei­te­te Ange­bo­te kön­ne die älte­re Genera­ti­on im MGH ihre Poten­zia­le für das Gemein­wohl ein­brin­gen und die jün­ge­re Genera­ti­on dies in Form von Unter­stüt­zung an die Älte­ren zurück­ge­ben, wür­di­gen BASOG und Minis­te­ri­um das „soli­da­ri­sche Geben und Neh­men.“ Im Pro­jekt sei­en vie­le Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te von und für Älte­re ent­stan­den, die ein Mit­ein­an­der der Genera­tio­nen und den Dia­log zwi­schen Jung und Alt ermög­li­chen.

Zu die­sen Ange­bo­ten gehö­ren etwa der „Offe­ne Sing­kreis“ oder „Tanz mit, bleib fit – Tanz der Genera­tio­nen.“ Es gibt den Com­pu­ter-Mitt­woch, bei dem sich Senio­ren gegen­sei­tig am PC, Tablet oder Smart­pho­ne unter­stüt­zen, es gibt ein gemein­sa­men Hand­ar­bei­ten in der Licht­stu­be. Alt und Jung kön­nen sich im Musik­kaf­fee tref­fen oder bei Male­rei und Musik. Älte­re Damen und Her­ren über­neh­men Lese­pa­ten­schaf­ten für Kin­der. In der Grup­pe „Boys&Girls@Work“ begeis­tert ein Inge­nieur Kin­der für Tech­nik. Das MGH orga­ni­siert Nach­bar­schafts­hil­fen und Besuchs­diens­te bei Älte­ren. Hoch im Kurs ste­hen laut MGH–Leiterin Gud­run Gre­ger auch Koch­kur­se, die stets in einem gemein­sa­men Mit­tag­essen enden. Gera­de allein­ste­hen­de älte­re Her­ren, die wenig Erfah­rung am Herd haben, wür­den sich sonst sehr ein­sei­tig ernäh­ren, weiß Gre­ger.

Gespräch mit Franziska Giffey

Sie war am Mon­tag zusam­men mit ihrer Stell­ver­tre­te­rin Lisa Gei­er und Bil­dungs- und Fami­li­en­pa­tin Ingrid Thie­ler nach Ber­lin gereist, wo die Preis­über­ga­be im Rah­men des Fach­kon­gres­ses „Ein­sam­keit im Alter vor­beu­gen – akti­ve Teil­ha­be an der Gesell­schaft ermög­li­chen“ statt­fand. Die Freu­de der Haß­fur­ter Dele­ga­ti­on über den Gewinn des zwei­ten Plat­zes war groß, zumal sich Gele­gen­heit bot, mit Fami­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey per­sön­li­che Wor­te zu wech­seln. Im Rah­men des Kon­gres­ses stell­te das MGH, so wie ande­re Teil­neh­mer auch, das Wett­be­werbs­pro­jekt an einem Stand vor.

Die Minis­te­rin besuch­te ihn und erkun­dig­te sich über die Haß­fur­ter Her­an­ge­hens­wei­se. Gre­ger gab gemein­sam mit ihrer Stell­ver­tre­te­rin Lisa Gey­er und Ingrid Thie­ler Aus­kunft. Von Thie­ler, die seit der Anfangs­zeit des MGH ehren­amt­lich im Team mit­ar­bei­tet, bekam sie die Infor­ma­tio­nen sozu­sa­gen aus ers­ter Hand. Und nicht nur das, denn aus der von ihr initi­ier­ten Licht­stu­be, wo sie mit Men­schen jeg­li­chen Alters und unter­schied­li­cher Her­kunft strickt, häkelt und näht, hat­te sie auch für die Minis­te­rin Strick­strümp­fe dabei.

Socken für die Ministerin

Ministerin Franziska Giffey (2. von links) erhielt am Stand des Haßfurter MGH ein Paar gestrickte Strümpfe „made in Haßfurt“. Mit im Bild von links: Ingrid Thieler, Gudrun Greger und Lisa Geyer. Foto: Sabine Meißner

Minis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey (2. von links) erhielt am Stand des Haß­fur­ter MGH ein Paar gestrick­te Strümp­fe „made in Haß­furt“. Mit im Bild von links: Ingrid Thie­ler, Gud­run Gre­ger und Lisa Gey­er.
(Foto: Sabi­ne Meiß­ner)

Gif­fey freu­te sich über die Socken, die die Haß­fur­ter Frau­en eigens für den zehn­jäh­ri­gen Sohn der Fami­lie Gif­fey gestrickt hat­ten. Mit den Strümp­fen „made in Haß­furt“ gab Thie­ler der Minis­te­rin auch eine Ein­la­dung mit auf den Weg. „Bit­te besu­chen Sie uns in unse­rem MGH“, sag­te sie, „wir möch­ten Ihnen gern vor Ort zei­gen, wie wir gemein­sam gegen Ein­sam­keit anstri­cken“. Gif­fey gefiel das offen­bar. Sie gab zwar kei­ne ver­bind­li­che Zusa­ge, aber einen Auf­trag an ihren Assis­ten­ten, den Besuch in Haß­furt auf das Pro­gramm der Som­mer­rei­se zu set­zen.

Wäh­rend ihrer Eröff­nungs­re­de am Beginn der Ta­gung hat­te sie gesagt:„Einsamkeit ist ein viel­schich­ti­ges Phä­no­men mit unter­schied­li­chen Ursa­chen. Vor allem älte­re Men­schen sind betrof­fen und brau­chen Unter­stüt­zung.“

MGH – für jedermann offen

In Haß­furt exis­tiert mit dem MGH die Mög­lich­keit, der dro­hen­den Ein­sam­keit zu ent­flie­hen. Vie­le älte­re Haß­berg­ler nut­zen die Ange­bo­te bereits und eini­ge machen es wie Thie­ler, die selbst schon im Senio­ren­al­ter ist und sich mit Gleich­alt­ri­gen, aber auch jun­gen Men­schen gemein­schaft­lich betä­tigt. „Das MGH steht mit allen ehren­amt­lich Enga­gier­ten auch denen offen, die bis­her noch nicht bei uns waren und gern mit­ma­chen oder etwas Neu­es ein­brin­gen möch­ten“, beton­te Gre­ger.

Jeder und jede Ein­zel­ne kann das im eige­nen Lebens­um­feld tun: in der Nach­bar­schaft und sogar in der eige­nen Fami­lie“, lau­te­ten die Wor­te der Minis­te­rin. Ein­sam­keit vor­zu­beu­gen, sei aber auch eine Auf­ga­be der Gesell­schaft, denn es sei „nicht gut, wenn es dem Zufall über­las­sen bleibt, ob sich jemand küm­mert.“

Die Küm­me­rer sind laut Gif­fey Impuls­ge­ber und Vor­bild für ande­re, ihr Enga­ge­ment mache unse­re Gesell­schaft bes­ser, „im Klei­nen wie im Gro­ßen“, so die Bun­des­mi­nis­te­rin. Die drei Damen aus Haß­furt berich­te­ten ihrer­seits von der Situa­ti­on vor Ort. „In unse­rem Rat­haus wird unse­re Tätig­keit wahr­ge­nom­men“, sag­te Gre­ger, „unser Bür­ger­meis­ter Gün­ther Wer­ner moti­vier­te uns für die Bewer­bung zum Wett­be­werb.“

Beim Wett­be­werb von Bun­des­mi­nis­te­ri­um und BAGSO gab es 601 Bewer­bun­gen in fünf Kate­go­ri­en. Eine sechs­köp­fi­ge Jury aus Kom­mu­nen, Wis­sen­schaft und Poli­tik wähl­te die Sie­ger aus.

In der Kate­go­rie Mehr­ge­nera­tio­nen­häu­ser hat das MGH Kai­sers­lau­tern mit dem Pro­jekt „Auf Rädern zum Mit­ein­an­der“ den 1. Platz belegt. Haß­furt hat mit sei­ner Aus­zeich­nung 1500 Euro gewon­nen, die in die genera­ti­ons­über­grei­fen­den Pro­jek­te flie­ßen sol­len.

Die BAGSO

Die Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft der Senio­ren-Orga­ni­sa­tio­nen (BAGSO) ver­tritt über ihre 119 Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen vie­le Mil­lio­nen älte­re Men­schen in Deutsch­land.

Mit ihren Publi­ka­tio­nen und Ver­an­stal­tun­gen, wie den im Drei­jah­res­rhyth­mus statt­fin­den­den Deut­schen Senio­ren­ta­gen, wirbt die BAGSO für ein mög­lichst gesun­des, akti­ves und enga­gier­tes Älter­wer­den.

Wei­te­re Anga­ben unter www.bagso.de


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