06.05.2026 – N A C H B E R I C H T
Die RentenSCHMIEDE des Mehrgenerationenhauses Haßfurt begrüßte vergangene Woche mit Roswitha Fliege eine erfahrene ehrenamtliche Hospizbegleiterin der Malteser. In ihrem eindrucksvollen Vortrag widmete sie sich dem sensiblen Thema „Sterbe- und Trauerbegleitung“ – ein Thema, das oft gemieden wird, aber alle betrifft.

In angenehmer Atmosphäre informierte die erfahrene ehrenamtliche Hospizbegleiterin Roswitha Fliege über Serbe- und Trauerbegleitung und kam mit den Teilnehmenden in Austausch. (Foto: Friederike Schulz/MGH)
Zu Beginn gab Frau Fliege einen Einblick in die Entwicklung der Hospizbewegung und verdeutlichte die zentrale Rolle der Palliativversorgung. Im Fokus stehe dabei nicht die Verlängerung des Lebens um jeden Preis, sondern die Lebensqualität in der verbleibenden Zeit. Eine wirksame Schmerztherapie sowie die individuelle Linderung von Beschwerden seien dabei wesentliche Elemente.
Besonders betonte die Referentin, dass Sterbende und ihre Angehörigen im Abschiedsprozess untrennbar miteinander verbunden sind. Eine gelingende Begleitung müsse daher stets beide Seiten im Blick haben. Zuhören, da sein und einfühlsam auf persönliche Bedürfnisse eingehen – das seien die Grundpfeiler der Hospizarbeit. Diese verstehe sich ausdrücklich nicht als reiner Besuchsdienst, sondern als verantwortungsvolles Ehrenamt, das Menschen in ihrer letzten Lebensphase würdevoll unterstützt.
Dabei gehe es auch darum, die Wünsche der Betroffenen ernst zu nehmen und ihnen Raum zu geben. Gerade wenn medizinische Möglichkeiten ausgeschöpft seien, gewinne die menschliche Zuwendung an Bedeutung. Stimme, Berührung oder auch Gesang könnten selbst bei Menschen im Koma oder mit Demenz eine spürbare Wirkung entfalten.
Ein Blick auf die Struktur der Hospizarbeit in Deutschland unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung dieses Engagements: Rund 270 Hospize sowie über 100.000 ehrenamtliche Begleiterinnen und Begleiter setzen sich bundesweit für sterbende Menschen ein. Ihr gemeinsames Ziel: Nähe schenken und das Gefühl vermitteln, nicht allein zu sein – nach dem einfachen, aber tiefgehenden Leitsatz: „Es ist jemand da.“
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem sensiblen Umgang mit Trauer. Die Tätigkeit der ehrenamtlichen Hospizbegleitenden endet dabei nicht mit dem Tod eines Menschen, sondern schließt auch die Begleitung der Angehörigen in ihrer Zeit des Abschieds und der Verarbeitung mit ein.
Roswitha Fliege verdeutlichte eindrücklich, wie individuell Trauer erlebt wird und dass Gefühle wie Wut, Verzweiflung oder Hilflosigkeit ihren berechtigten Platz haben. Entscheidend sei, sich selbst Zeit und Raum zu geben und achtsam mit der eigenen seelischen Gesundheit umzugehen. In diesem Zusammenhang sprach sie sich für einen „gesunden Egoismus“ aus – als hilfreiche Haltung, um die emotionale Belastung besser bewältigen zu können.
Zugleich ermutigte sie dazu, Unterstützungsangebote wie Trauergruppen anzunehmen. Der Austausch mit anderen Betroffenen könne neue Perspektiven eröffnen und dabei helfen, den eigenen Weg durch die Trauer zu finden. Im Landkreis Haßberge bietet bspw. der Malteser-Hospizdienst neben der Trauer-Einzelbegleitung auch zwei Mal im Jahr Trauerwanderungen an.
Der Vortrag bot den zahlreichen Zuhörenden nicht nur fundierte Informationen, sondern auch Raum für persönliche Gespräche und offenen Austausch. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen einzubringen – ein deutliches Zeichen dafür, wie wichtig es ist, dem Thema Sterben, Tod und Trauer mehr Platz in unserer Gesellschaft zu geben.
Die wöchentlich stattfindende RentenSCHMIEDE ist ein Angebot des „Betreuungsnetzwerk für alle Generationen“ im Mehrgenerationenhaus Haßfurt unter der Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes Kreisverband Haßberge. Dieses Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, gefördert.
In der Presse erschienen:
⊕ „Sterbe- und Trauerbegleitung“ (Fränkischer Tag, 11.12.2026)
Links zum Thema:
- Projektvorstellung: RentenSCHMIEDE
- Bericht: Thema: Senioren und Kriminalität – Wie kann ich mich schützen?
