Ein Plus in Erster Hilfe mit doppeltem Gewinn
für Helfer und Betroffene

Fit in Erster Hilfe 50+”: Mit dem neuen Kursmodul will das Rote Kreuz älteren Menschen Ängste nehmen und Handlungssicherheit geben

PRESSEMELDUNG aus dem BRK Kreis­ver­band – 12.10.2018 – Mi­cha­el Will / BRK

Ein Plus in Erster Hilfe: Neues  Kursmodul für die "Generation 50+"

Fit in Ers­ter Hil­fe 50+“ heißt ein neu­es An­ge­bot, das der BRK-Kreis­ver­band Haß­ber­ge für äl­te­re Mit­men­schen ins Le­ben ge­ru­fen hat. Ängs­te sol­len ab­ge­baut und Hand­lungs­si­cher­heit bei me­di­zi­ni- schen Not­fäl­len ge­ge­ben wer­den. Das An­ge­bot wur­de als Er­geb­nis ei­nes Ers­te-Hil­fe-Ak­ti­ons­ta­ges (Bild) im Sep­tem­ber am Haß­fur­ter Markt­platz ins Le­ben ge­ru­fen. (Foto: Mi­cha­el Will / BRK)

LANDKREIS HASSBERGE – Ers­te Hil­fe ist kin­der­leicht. Das ist sprich­wörtlich zu ver­ste­hen, denn schon Kin­der ler­nen heut­zu­ta­ge, wie man Ers­te Hil­fe leis­tet und dass man bei ei­nem me­di­zi­ni­schen Not­fall die Not­rufnummer 112 an­ru­fen muss. Was Kin­der wis­sen, soll­ten Er­wach­se­ne eben­so gut kön­nen. Doch bei vie­len herrscht Un­si­cher­heit oder Sor­ge, et­was falsch zu ma­chen. Mit ei­nem spe­zi­el­len Ers­te-Hil­fe-Mo­dul will das Rote Kreuz des­halb be­son­ders die Ge­nera­ti­on 50+“ an­spre­chen, Ängs­te ab­bau­en und Handlungs­sicher­heit ver­mit­teln.

Mit Fit in Ers­ter Hil­fe 50+“ re­agiert der BRK-Kreis­ver­band Haß­ber­ge spe­zi­ell auf die Be­dürf­nis­se von Men­schen, de­ren Ers­te Hil­fe Kurs oft Jah­re zu­rück liegt, mit­un­ter gar so alt ist wie ihr Füh­rer­schein selbst. Ent­stan­den ist das An­ge­bot als Er­geb­nis aus dem Aktions­tag an­läss­lich des In­ter­na­tio­na­len Tags der Ers­ten Hil­fe“, der am 11. Sep­tem­ber statt­ge­fun­den hat­te und an dem sich das Rote Kreuz mit ei­nem Ers­te-Hil­fe-Par­cours auf dem Markt­platz in Haß­furt be­tei­lig­te.

Wir ha­ben ge­merkt, dass ge­ra­de bei Men­schen in der zwei­ten Le­bens­hälf­te vie­le Un­si­cher­hei­ten be­stehen, wenn es dar­um geht, Ers­te Hil­fe zu leis­ten“, sagt In­grid Böll­ner, Lei­te­rin der Ser­vice­stel­le Eh­ren­amt beim BRK-Kreis­ver­band. Des­halb ha­ben wir schnell re­agiert und bie­ten als Er­kennt­nis dar­aus noch in die­sem Jahr zwei spe­zi­el­le Kur­se an.“

Mit dem Mo­dul Fit in Ers­ter Hil­fe 50+‘ ge­ben wir Men­schen die Mög­lich­keit, Ers­te-Hil­fe-Maß­nah­men ein­zel­ner The­men­be­rei­che zu er­ler­nen, be­reits Ge­lern­tes zu wie­der­ho­len bzw. zu trai­nie­ren“, fasst Ber­na­dett Phil­ipp, Sach­be­ar­bei­te­rin für Ers­te Hil­fe, die Idee zu­sam­men. Durch prak­ti­sches und le­bens­na­hes Üben möch­te das Rote Kreuz äl­te­ren Mit­bür­gern die Angst vor Not­fall­si­tua­tio­nen neh­men und zei­gen wie sie nach ih­ren Mög­lichkeiten hel­fen kön­nen.

Da­bei geht es über­haupt nicht dar­um, al­les per­fekt zu ma­chen. Viel­mehr steht im Vor­der­grund, Wis­sen über Ers­te Hil­fe, le­bens­ret­ten­de Maß­nah­men, sta­bi­le Sei­ten­la­ge, Herz-Lun­gen-Wie­der­be­le­bung etc. auf­zu­fri­schen und ge­mein­sam zu üben. Nie­mand muss Angst ha­ben, wenn er et­was nicht so gut be­herrscht“, sagt Böll­ner. Schließ­lich ist es ganz nor­mal, dass man Din­ge ver­gisst, die man lan­ge Zeit nicht ge­übt hat und an­wen­den muss­te. Ge­nau hier setzt der Kurs an und will Si­cher­heit ver­mit­teln.

Vie­le Men­schen ha­ben die meis­te Angst da­vor, dass sie im Stra­ßen­ver­kehr zu ei­nem Un­fall kom­men, bei dem je­mand ver­letzt wur­de und sie nun Ers­te Hil­fe leis­ten sol­len, weiß BRK-Pres­se­spre­cher Mi­cha­el Will aus Ge­sprä­chen mit Be­trof­fe­nen. Schwe­re Verkehrs­un­fäl­le sind zum Glück nicht an der Ta­ges­ord­nung, und dass man als Laien­helfer der Ers­te an ei­ner Un­fall­stel­le ist, kom­me im Le­ben je­des ein­zel­nen noch viel sel­te­ner vor.

Na­tür­lich soll­te man auf sol­che Si­tua­tio­nen vor­be­rei­tet sein und sich ein­mal in al­ler Ruhe Ge­dan­ken dar­über ma­chen, wie man han­deln wür­de“, sagt Will. Warn­blink­licht ein­schal­ten, die Si­cher­heits­wes­te noch im Auto an­zie­hen, dann die Un­fall­stel­le mit ei­nem Warn­drei­eck ab­si­chern, sind die ers­ten wich­ti­gen Maß­nah­men. Da­nach geht man zur Un­fall­stelle, ver­schafft sich ei­nen Über­blick über An­zahl der Ver­letz­ten, ob sie an­sprech­bar oder be­wusst­los sind, lei­tet le­bens­ret­ten­de So­fort­maß­nah­men (sta­bi­le Sei­ten­la­ge) ein und ver­stän­digt dann un­ter dem Not­ruf 112 pro­fes­sio­nel­le Hil­fe. Bis zum Ein­tref­fen des Ret­tungs­diens­tes gel­te es dann, sich so gut wie mög­lich und si­tua­ti­ons­ge­recht um Ver­letz­te und Be­tei­lig­te zu küm­mern.

Doch viel häu­fi­ger als im öf­fent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr sind Not­fäl­le und Un­glü­cke im di­rek­ten Le­bens­um­feld – zu­hau­se in der Fa­mi­lie, bei Be­kann­ten, am Ar­beits­platz. Ge­nau hier kommt es auf schnel­le und ko­or­di­nier­te Ers­te Hil­fe an“, sagt Mi­cha­el Will. Mehr als die Hälf­te al­ler Un­fäl­le er­eig­ne sich im Haus­halt, in der häus­li­chen Um­ge­bung oder in der Frei­zeit, zum Bei­spiel bei Sport oder Spiel. Man spricht von so ge­nann­ten Haus- und Frei­zeit­un­fäl­len. Be­son­ders be­trof­fen sei­en Kin­der und alte Men­schen. Stür­ze sind da­bei die häu­figs­te Un­fall­ur­sa­che.“

Aber auch au­ßer­halb von Haus- und Frei­zeit­un­fäl­len kommt es häu­fig zu schwer­wie­gen­den me­di­zi­ni­schen Ge­sund­heits­pro­ble­men. Men­schen er­lei­den bei­spiels­wei­se Herz­infark­te, Schlag­an­fäl­le, Krampf­an­fäl­le und star­ke Blu­tun­gen. Dann ist schnel­le Hil­fe wich­tig. Den Erst­hel­fern kommt da­bei eine ganz ent­schei­den­de Be­deu­tung zu“, so der Pres­se­spre­cher. Die Ret­tungs­ket­te funk­tio­niert nur so gut, wie je­des ein­zel­ne Glied stark ist.“ Lai­en­hel­fer sind als Ers­te ge­for­dert: Sie sind oft un­mit­tel­bar da­bei, wenn der Part­ner, ein An­ge­hö­ri­ger oder Ar­beits­kol­le­ge ein aku­tes me­di­zi­ni­sches Pro­blem be­kommt und sind – sprich­wört­lich – sei­ne mit­un­ter ein­zi­ge Ret­tung.

Ne­ben dem schnel­len Ab­set­zen ei­nes Not­ru­fes un­ter 112 ist Ers­te Hil­fe im­mens wich­tig. Be­son­ders lässt sich das an­hand ei­nes Herz-Kreis­lauf-Still­stan­des deut­lich ma­chen. Nur wenn Erst­hel­fer so­fort mit ei­ner Herz­druck­mas­sa­ge be­gin­nen, stei­gen die Überlebens­chancen ei­nes Be­trof­fe­nen. Denn: Mit je­der Mi­nu­te, in der nach ei­nem Herz-Kreis­lauf-Still­stand nicht mit der Re­ani­ma­ti­on be­gon­nen wird, sin­ken die Über­le­bens­chan­cen um zehn Pro­zent.“ Das heißt, nach nur fünf Mi­nu­ten ohne Herz­druck­mas­sa­ge hat ein Mensch nur noch 50 Pro­zent Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit, nach acht Mi­nu­ten sind es nur noch 20 Pro­zent.

Die­se Zah­len ma­chen deut­lich, wie über­le­bens­wich­tig Maß­nah­men von Erst­hel­fern sind. Denn be­ginnt nie­mand mit der Re­ani­ma­ti­on, kön­nen Ret­tungs­dienst und Not­arzt trotz hoch­mo­der­ner Aus­rüs­tung und Me­di­ka­men­ten nur noch sel­ten hel­fen, wenn sie nach zehn bis 15 Mi­nu­ten bei ei­nem Pa­ti­en­ten ein­tref­fen. Die Angst et­was falsch zu ma­chen, lässt Men­schen im­mer wie­der vor Ers­ter Hil­fe zu­rück­schre­cken“, weiß In­grid Böll­ner. Da­bei sei das Ein­zi­ge was man falsch ma­chen kann, in so ei­ner Si­tua­ti­on nichts zu tun.

Ein Plus in erster Hilfe: (Foto: Michael Will / BRK)

(Foto: Mi­cha­el Will / BRK)

Ge­nau um die­se As­pek­te deut­lich zu ma­chen, Ängs­te ab­zu­bau­en und die wich­tigs­ten Hand­grif­fe der Ers­ten Hil­fe zu schu­len, da­für soll das neue Mo­dul Fit in Ers­ter Hil­fe 50+“ die­nen. Der Kurs dau­ert vier Un­ter­richts­ein­hei­ten (3,5 Stun­den), die Teil­nah­me­ge­bühr be­trägt 15 Euro. Die Ers­ten Kur­se die­ser Art fin­den noch heu­er statt und zwar am Don­ners­tag, 15. No­vem­ber, und Diens­tag, 4. De­zem­ber, je­weils von 8:00 bis 11:30 Uhr im Rot­kreuz­haus in Haß­furt (In­dus­trie­stra­ße 20).

An­mel­dun­gen dazu nimmt Sach­be­ar­bei­te­rin Ber­na­dett Phil­ipp un­ter Tel. 09521/9550–197 (vor­mit­tags) oder E‑Mail: philipp@kvhassberge.brk.de ent­ge­gen.

Wich­tig, vor al­lem für be­trieb­li­che Erst­hel­fer: Fit in Ers­ter Hil­fe 50+“ kann nicht als Ers­te-Hil­fe-Aus­bil­dung oder ‑fort­bil­dung un­ter an­de­rem nach dem Grund­satz 304–001 der Deut­schen Ge­setz­li­chen Un­fall­ver­si­che­rung (DGUV) an­er­kannt wer­den. Nach Be­such die­ses Mo­duls kann kei­ne Be­schei­ni­gung über eine Ers­te-Hil­fe-Aus­bil­dung oder ‑fort­bil­dung aus­ge­stellt wer­den.