Engagement macht wirklich stark:

Die Familien- und Bildungspatenschaften des Mehrgenerationenhauses in Haßfurt

Frän­ki­scher Tag – 15./16.06.2019

En­ga­ge­ment macht stark“, so heißt ein För­der­pro­gramm des Bun­des­netz­wer­kes Bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment“. Aber En­ga­ge­ment macht stark“ ist nicht nur ein ein­gän­gi­ger Ti­tel für das Pro­gramm. Son­dern eine Tat­sa­che. Das kann jede/r Familienpate/in und Bildungspate/in, der/die sich frei­wil­lig im Mehr­ge­nera­tio­nen­haus Haß­furt ein­bringt, nur be­stä­ti­gen: Seit mehr als 10 Jah­ren gibt es das Mo­dell der Fa­mi­li­en- und Bil­dungs­pa­ten­schaf­ten be­reits, fast eben­so lan­ge, wie das Mehr­ge­nera­tio­nen­haus un­ter der Trä­ger­schaft des Baye­ri­schen Ro­ten Kreu­zes alt ist. Und: Es ist ein Er­folgs­mo­dell.

Das hat meh­re­re Grün­de:

Im 1:1 Ver­hält­nis be­glei­tet ein/e Fa­mi­li­en- oder Bildungspate/in ein Pa­ten­kind“. Da­bei wird im Vor­feld vom Team des MGH sorg­fäl­tig ab­ge­wo­gen, wer zu wem pas­sen könn­te. Wel­chen Be­darf hat das Pa­ten­kind? Wel­che In­ter­es­sen und Ta­len­te der Pate? Nach ei­nem Erst­ge­spräch mit Lei­te­rin Gud­run Gre­ger und stell­ver­tre­ten­der Lei­te­rin Lisa Gey­er, in dem die Mo­da­li­tä­ten zum frei­wil­li­gen En­ga­ge­ment, bei­spiels­wei­se Rech­te und Ver­si­che­rung frei­wil­lig En­ga­gier­ter, Vor­la­ge und Un­ter­zeich­nen des Eh­ren­amts­ver­trags und Wei­te­res ge­klärt wer­den, so­wie ei­nem Ken­nen­ler­nen kann es dann los­ge­hen.

Familienpatin Ingrid Thieler und Fabian Licha treffen sich zum gemeinsamen Spielen im Mehrgenerationenhaus

Fa­mi­li­en­pa­tin In­grid Thie­ler und Fa­bi­an Li­cha tref­fen sich zum ge­mein­sa­men Spie­len im Mehr­ge­nera­tio­nen­haus (Foto: MGH)

Ha­ben sich die bei­den ge­fun­den, tref­fen sie sich re­gel­mä­ßig. Hier bie­tet das Mo­dell der Fa­mi­li­en- und Bil­dungs­pa­ten­schaf­ten viel­fäl­ti­ge Un­ter­stüt­zungs­mög­lich­kei­ten, am Be­darf des Pa­ten­kin­des an­ge­passt. Oft wird ge­mein­sam ge­lernt, ob für den Füh­rer­schein, zur Ver­bes­se­rung der deut­schen Spra­che oder zum Er­rei­chen und Be­stehen des Schul­ab­schlus­ses so­wie zur Be­glei­tung bei Aus­bil­dun­gen oder zum Ein­tritt in den Ar­beits­markt. Wei­ter­hin wer­den aber auch Be­hör­den­gän­ge ge­mein­sam er­le­digt, mit­ein­an­der ge­kocht oder Ku­chen ge­ba­cken oder auch ein ge­mein­sa­mer Spar­zier­gang am Main ge­macht. Die Tref­fen fin­den meist ein bis zwei Mal pro Wo­che statt. Fa­mi­li­en­pa­ten­schaf­ten hin­ge­gen rü­cken den Be­darf der ge­sam­ten Fa­mi­li­en in den Fo­kus. Fa­mi­li­en­pa­ten küm­mern sich um fa­mi­liä­re Be­dürf­nis­se, wie bei­spiels­wei­se Un­ter­stüt­zung bei der Be­treu­ung und/oder der Ein­schu­lung der Toch­ter, Hil­fe bei der Ar­beits­platz­su­che der Mut­ter und Ähn­li­ches.

Die Fa­mi­li­en- und Bil­dungs­pa­ten­schaf­ten wer­den or­ga­ni­sa­to­risch und in­halt­lich be­glei­tet vom Fach­per­so­nal aus dem Haus, es gibt Coa­ching- und Rück­spra­che­mög­lich­kei­ten und zu je­der Zeit Un­ter­stüt­zung bei mög­li­chen Un­si­cher­hei­ten. Die frei­wil­lig En­ga­gier­ten ha­ben die Mög­lich­keit, Fort­bil­dun­gen zu be­su­chen. Die in­di­vi­du­el­len Tref­fen fin­den meist im Mehr­ge­nera­tio­nen­haus am Markt­platz statt. Nur bei den Fa­mi­li­en­pa­ten­schaf­ten, also wenn sich Pa­ten des Mehr­ge­nera­tio­nen­hau­ses für eine gan­ze Fa­mi­lie und de­ren Be­dar­fe und Be­dürf­nis­se en­ga­gie­ren, ist es et­was an­ders. Fa­mi­li­en­pa­ten­schaf­ten wir­ken eher in Form von auf­su­chen­der Ar­beit, durch das En­ga­ge­ment in die­sem Be­reich wird ver­sucht, die Fa­mi­li­en all­tags­nah in Ih­ren Be­dürf­nis­sen zu un­ter­stüt­zen.

Eine wei­te­re Be­son­der­heit ist die kon­ti­nu­ier­li­che Be­glei­tung der Pa­ten­kin­der nicht nur durch den Paten/die Pa­tin, son­dern durch das Mehr­ge­nera­tio­nen­haus als Ein­rich­tung, das qua­li­fi­ziert und pro­fes­sio­nell in vie­len klei­nen und gro­ßen Be­lan­gen des täg­li­chen Le­bens fort­lau­fend ver­mit­telt und hilft. Die Un­ter­stüt­zung reicht von Ge­sprä­chen mit der ent­spre­chen­den Lehr­kraft in der Schu­le über die Ver­mitt­lung ei­nes Prak­ti­kums­plat­zes bis hin zu Ge­sprä­chen mit dem Job­cen­ter und vie­len Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern im Netz­werk. Oder, wie in ei­nem Ex­trem­fall, bis zur Or­ga­ni­sa­ti­on der plötz­li­chen Rück­kehr ei­nes Ge­flüch­te­ten in sein Hei­mat­land Af­gha­ni­stan. Ins­ge­samt ist es also nicht (nur) eine punk­tu­el­le Hil­fe in be­stimm­ten Fra­gen, son­dern viel mehr: eine Be­glei­tung durch das Le­ben des All­tags. Hier kom­men un­ter an­de­rem die BRK-Grund­sät­ze Mensch­lich­keit, Un­par­tei­lich­keit, Frei­wil­lig­keit oder Uni­ver­sa­li­tät be­son­ders deut­lich zum Tra­gen.

Doch bei der Un­ter­stüt­zung al­lei­ne bleibt es nicht – auch wenn die­se be­reits Gold wert ist. Das Prin­zip des Mehr­ge­nera­tio­nen­hau­ses am Markt­platz ist Ge­ben und Neh­men“. Da­mit ist ge­meint, dass je­der, der Hil­fe be­kommt, auch et­was zu ge­ben hat, denn je­der Mensch hat ein Ta­lent. Und so brin­gen sich vie­le, de­nen ge­hol­fen wur­de, di­rekt wie­der im Haus oder in ei­nem in der Kom­mu­ne an­ge­sie­del­tem En­ga­ge­ment­feld fürs Ge­mein­wohl ein.

Mohannad Batha (links) und Bildungspate Wolfgang Poepperl treffen sich im Rahmen der Bildungspatenschaft jede Woche im MGH und lernen gemeinsam (Foto: Theresa Krapf/MGH)

Mo­han­nad Ba­tha (links) und Bildungs­pate Wolf­gang Po­ep­perl tref­fen sich im Rah­men der Bil­dungs­pa­ten­schaft jede Wo­che im MGH und ler­nen ge­mein­sam (Foto: MGH)

Ein Bei­spiel ist der 24-jäh­ri­ge Mo­han­nad Ba­tha, der vor vier Jah­ren aus Sy­ri­en kam. Er, der seit die­ser Zeit in ei­ner Pa­ten­schaft ist und auch von ei­ner Fa­mi­lie in Haß­furt un­ter­stützt wird und dort wohnt, bringt sich in­zwi­schen tat­kräf­tig im MGH ein: Er spielt am Spie­le­nach­mit­tag mit den Se­nio­ren Mensch är­ge­re Dich nicht“, er kocht im MGH-Sprach­ca­fé oder hilft beim Auf­bau und Ku­chen­ver­kauf beim Ba­sar der Licht­stu­be – ge­mein­sam HAND­ar­bei­ten. Auf die Fra­ge hin, war­um er das tut, sagt er: Mir wur­de so viel ge­hol­fen, ich will et­was zu­rück ge­ben.“ Vor kur­zem hat er ei­nem an­de­ren jun­gen Mann, der erst kurz in Deutsch­land ist, im Rah­men des MGH-Sprach­ca­fé an­ge­bo­ten, mit ihm Ma­the­ma­tik für die Schu­le zu ler­nen. Das ist ge­leb­te In­te­gra­ti­on.

Karl-Heinz Berndt und Bildungspate Jonas Vogel gehen jede Woche sparzieren, tauschen sich dabei über verschiedenste Themen aus und lernen voneinander (Foto: MGH)

Karl-Heinz Berndt und Bil­dungs­pa­te Jo­nas Vo­gel ge­hen jede Wo­che spar­zie­ren, tau­schen sich da­bei über ver­schie­dens­te The­men aus und ler­nen von­ein­an­der
(Foto: MGH)

Ge­ra­de auch für jun­ge Men­schen ist das MGH ers­te An­lauf­stel­le für so­zia­les und frei­wil­li­ges En­ga­ge­ment. Die­se wer­den kom­pe­tent und pass­ge­nau auch an an­de­re Ein­rich­tun­gen im Land­kreis ver­mit­telt. Der 20-jäh­ri­ge Be­rufs­schü­ler Jo­nas Vo­gel, der seit ei­nem Jahr den blin­den Se­ni­or Karl-Heinz Berndt be­treut (Bild 3), nimmt sich Zeit für den Se­ni­or und un­ter­nimmt mit Herrn Berndt aus­ge­dehn­te Spa­zier­gän­ge am Main. Dies ent­las­tet selbst­ver­ständ­lich zum Ei­nen die Pfle­ge- und Be­treu­ungs­kräf­te im Se­nio­ren­heim, zum An­de­ren leis­tet die­se Pa­ten­schaft ei­nen enor­men Bei­trag zum Ent­ge­gen­wir­ken der Ein­sam­keit im Al­ter.

 
Nicht nur in Haß­furt wirkt die Or­ga­ni­sa­ti­on und För­de­rung des En­ga­ge­ments durch das MGH, son­dern im gan­zen Land­kreis Haß­ber­ge fin­den Fa­mi­li­en- und Bil­dungs­pa­ten­schaf­ten, be­glei­tet durch das MGH statt:

Bildungspatin Gisela Röder (links) und Muna Hajule lernen seit einem halben Jahr erfolgreich miteinander (Foto: MGH)

Bil­dungs­pa­tin Gi­se­la Rö­der (links) und Muna Ha­ju­le ler­nen seit ei­nem hal­ben Jahr er­folg­reich mit­ein­an­der (Foto: MGH)

Schü­le­rin Muna Ha­ju­le und Bil­dungs­pa­tin Gi­se­la Rö­der ler­nen seit mehr als ei­nem hal­ben Jahr mit­ein­an­der, bei­de sind aus Ebern und tref­fen sich der Ein­fach­heit hal­ber ein­mal wö­chent­lich in der Eber­ner Mit­tel­schu­le, wel­che Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner des MGHs ist.

Die Bil­dungs­pa­ten­schaft ist durch das Netz­werk im BRK ent­stan­den: Ju­gend­so­zi­al­ar­bei­te­rin (JaS) Hei­ke Czeh­mann der Mit­tel­schu­le er­kann­te den Be­darf von Muna Ha­ju­le und ist auf das MGH zu­ge­gan­gen. Nach ei­nem Ken­nen­ler­nen in Ebern star­te­te die Bil­dungs­pa­ten­schaft zwi­schen der 9.-Klässerin mit sy­ri­schen Wur­zeln und der Bil­dungs­pa­tin und ehe­ma­li­gen Leh­re­rin Gi­se­la Rö­der. Die Bil­dungs­pa­ten­schaft ist eine Er­folgs­ge­schich­te“, denn oft ma­chen sich die po­si­ti­ven Aus­wir­kun­gen in vie­len Be­rei­chen be­merk­bar: Muna ist durch die Bil­dungs­pa­ten­schaft sehr mo­ti­viert, zu ler­nen“, freut sich Hei­ke Czeh­mann. Muna über­nimmt sehr ger­ne Ver­ant­wor­tung in der Kin­der­be­treu­ung. Sie bringt sich im Ge­gen­zug in Kin­der­krea­tiv­an­ge­bo­ten des Baye­ri­schen Ro­ten Kreu­zes mit ih­ren Ta­len­ten ein.

Sie möch­ten sich frei­wil­lig en­ga­gie­ren? Un­ter­stüt­zung durch Bil­dungs­pa­tin­nen und Bil­dungs­pa­ten ist je­der­zeit herz­lich will­kom­men. Wir freu­en uns auf Ihre Kon­takt­auf­nah­me, ein ers­tes Ge­spräch und Ihre Ide­en: Sie er­rei­chen uns im Mehr­ge­nera­tio­nen­haus Haß­furt un­ter der Te­le­fon­num­mer 09521–952825‑0.